Braun Series 9 Pro oder Philips Series 9000: Folie oder Rotation?

Beide Hersteller nennen ihr Spitzenmodell die neunte Serie, und beide meinen damit etwas völlig anderes. Braun schert mit einer schwingenden Folie, Philips mit drei rotierenden Köpfen. Das ist kein Marketingunterschied, sondern eine andere Mechanik, und sie passt zu unterschiedlichen Bärten.
Wer noch grundsätzlich sortiert, findet die Bauformen bei den elektrischen Rasierern. Hier stehen die beiden Spitzenmodelle mit ihren Datenblättern nebeneinander.
- Der Braun Series 9 Pro+ 9610si, wenn der Bart dicht und gleichmäßig wächstfünf plus ein Element, Bartdichtemessung dreihundertmal pro Sekunde, sechzig Minuten Akku und bis zu fünf Jahre Garantie
- Der Philips Series 9000, wenn die Haare in alle Richtungen stehenum 360 Grad flexible Klingen, Lift-and-Cut-System, Druckwächter und eine Gleitbeschichtung zwischen Kopf und Haut
- Folie schert gerade, Rotation schert rund, und daran hängt fast alles Weitere
Die zwei Kandidaten
Braun Series 9 Pro+
Folienrasierer, 9610si
Philips Series 9000
Rotationsrasierer, S9980
Die Daten nebeneinander
| Merkmal | Braun Series 9 Pro+ | Philips Series 9000 |
|---|---|---|
| Bauart | Folie, schwingend | Rotation, drei Köpfe |
| Schneidelemente | 5 plus 1 | Dual SteelPrecision |
| Beweglichkeit | Scherkopf mit 40 Grad | Klingen um 360 Grad flexibel |
| Anpassung an den Bart | 300 Messungen pro Sekunde | keine Angabe |
| Druckkontrolle | keine Angabe | Pressure-Guard-Sensor |
| Hautschutz | ultradünne Präzisionsklingen | Nano SkinGlide, bis 30 % besseres Gleiten |
| Klingen | keine Angabe zur Nachschärfung | selbstschärfend aus Stahl |
| Nass und trocken | 100 % wasserdicht | Nass und Trocken |
| Akkulaufzeit | bis 60 Minuten | keine Angabe |
| Trimmer | keine Angabe | ausklappbar |
| Zubehör | keine Angabe | Ladestation und Reisetasche |
| Herstellungsort | Deutschland | keine Angabe |
| Garantie | bis zu 5 Jahre | keine Angabe |
| Modell | 9610si | S9980/74 |
Werte nach den Angaben der Hersteller zu beiden Modellen. Philips nennt für das hier verglichene Modell weder Akkulaufzeit noch Garantiedauer, Braun weder einen Druckwächter noch mitgeliefertes Zubehör; diese Zeilen bleiben deshalb offen. Die Angabe von bis zu dreißig Prozent besserer Gleitfähigkeit ist eine Herstellerangabe im Vergleich zu einem eigenen Vorgängermodell und kein unabhängiger Messwert. Die weiter unten gerechneten Werte zu Messabstand, Kügelchendichte und Rasuren pro Ladung sind Umrechnungen der genannten Zahlen und Größenordnungen. Die hervorgehobene Zelle ist der bessere Wert, nicht automatisch der wichtigere. Eine fehlende Angabe zählt nicht als Nachteil.
Was aus den Zahlen folgt
Was dreihundert Messungen pro Sekunde bedeuten
Die Rechnung mit einem Drittel Millimeter
Ein Zug über die Wange legt rund zehn Zentimeter zurück und dauert etwa eine Sekunde. In dieser Zeit misst der Braun dreihundertmal die Bartdichte.
Das heißt: alle 0,33 Millimeter eine Messung. Stoppeln stehen im Gesicht typischerweise im Abstand von etwa einem Millimeter.
Der Sensor tastet also jede einzelne Stoppel etwa dreimal ab, bevor die Klinge sie erreicht, und regelt die Leistung entsprechend nach.
Praktisch heißt das: Die Zahl ist keine Schauzahl, sondern liegt genau in der Größenordnung, in der eine Regelung überhaupt etwas bewirken kann. Spürbar wird sie an Stellen, wo der Bart von dicht auf dünn wechselt, also am Übergang von Kinn zu Hals.
Warum die Beschichtung zwischen Kopf und Haut sitzt
Die Rechnung mit 250.000 Kügelchen
Philips nennt für die Nano-SkinGlide-Beschichtung 250.000 Mikrokügelchen pro Zentimeter. Das ergibt einen Abstand von rund vierzig Tausendstelmillimetern von Kügelchen zu Kügelchen.
Ein menschliches Barthaar ist ungefähr siebzig Tausendstelmillimeter dick. Unter der Fläche eines einzigen Haares liegen also etwa zwei dieser Kugeln.
Die Beschichtung wirkt damit wie ein Kugellager auf der Haut: Der Kopf gleitet, statt zu haken, und das ist genau das, was Rotationsrasierer sonst zum Ziehen bringt.
Praktisch heißt das: Wer zu Rötungen neigt, profitiert von dieser Schicht mehr als von jeder Klinge. Sie nutzt sich allerdings mit dem Scherkopf ab und ist damit ein Verschleißteil.
Wie lange eine Ladung durchhält
Die Rechnung mit zwanzig Rasuren
Eine vollständige Nassrasur mit dem Elektrischen dauert je nach Bart drei bis vier Minuten. Bei sechzig Minuten Akkulaufzeit sind das rund zwanzig Rasuren.
Wer sich täglich rasiert, lädt also etwa alle drei Wochen. Wer alle zwei Tage rasiert, kommt sechs Wochen weit.
Für eine Urlaubswoche heißt das: Das Ladegerät kann zu Hause bleiben. Zum Philips gehört dafür eine Ladestation und eine Reisetasche, eine Laufzeitangabe nennt der Hersteller zu diesem Modell aber nicht.
Praktisch heißt das: Die Akkuangabe ist vor allem ein Reiseargument. Im Alltag steht jedes dieser Geräte ohnehin am Strom.
Wofür welcher Rasierer reicht
Wie sich der Braun im Einzelnen schlägt, steht im Test des Series 9 Pro 9610si. Wer ohne Wasser rasieren will, findet die Auswahl bei den Trockenrasierern, und wer die Reinigung automatisieren möchte, bei den Rasierern mit Reinigungsstation.
Wo jeder von beiden gewinnt
Für den Braun spricht
- Fünf plus ein synchronisiertes Element
- Dreihundert Dichtemessungen pro Sekunde
- Sechzig Minuten Akkulaufzeit angegeben
- Fertigung in Deutschland
- Bis zu fünf Jahre Garantie
Für den Philips spricht
- Klingen um 360 Grad flexibel
- Lift-and-Cut hebt das Haar vor dem Schnitt
- Pressure-Guard warnt bei zu viel Druck
- Gleitbeschichtung gegen Hautreizungen
- Ladestation, Reisetasche und Trimmer dabei
Der eigentliche Unterschied steckt nicht in der Ausstattung, sondern in der Bewegung. Eine Folie schwingt hin und her und schneidet damit alles, was quer dazu steht, sauber und sehr hautnah ab. Drei rotierende Köpfe erfassen dagegen Haare aus jeder Richtung, kommen dafür aber selten ganz so tief. Wer einen gleichmäßig wachsenden Bart hat, bekommt mit der Folie das glattere Ergebnis. Wer Wirbel am Hals hat, spart sich mit der Rotation das dritte und vierte Drübergehen, und genau das ist es, was die Haut reizt.



